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Von Büchern und Boxen

5. August 2010 Reto Kiefer 4 Kommentare

Ob Rollenspiele in Büchern oder Boxen ausgeliefert werden sollen ist eine Geschmackssache. Ich persönlich mag die hunderte Seiten dicken Hardcover-Bücher lieber als Boxen. Jetzt gibt es eine kuriose umgekehrte Koinzidenz bei zwei großen Rollenspielherstellern, was das Auslieferungsformat betrifft.

Wie bekannt verabschieden sich die Wizards of the Coast von den Büchern und schicken die nächsten Monate Boxen mit dem neuen Brand D&D Essentials auf den Markt. Einer der Hauptgründe ist, dass durch das Format und die simplifizierten Regeln, (Wieder-)Einsteiger einen leichteren Zugang zum Hobby bekommen sollen. Die Bücher haben sich wohl nicht so gut verkauft wie erwartet, so dass man auf diesem Weg, neue Spieler- und damit Käuferschichten erreichen will.

Umgekehrt Fantasy Flight Games, die mit dem Warhammer Fantasy Roleplaying Game scheinbar alles richtig gemacht haben. Sie haben sich von Beginn an Einsteiger gewendet, indem sie toll aufgemachte Boxen mit Komplettpaketen und vielen einsteigerfreundlichen Accessoires ausgeliefert haben. Nach allem, was man so Hören und Lesen kann, läuft WHFRG 3 hervorragend und einige Produkte sind ausverkauft und müssen in einen zweiten Druck. Trotzdem schwenken Fantasy Flight Games nun auf einen hybriden Weg ein, in dem die Regeln aus den Boxen nochmals in Form von Büchern ohne Powercards, Figurenaufsteller und die ganzen Accessoires ausgeliefert werden. Einige Regeln werden einem Update unterzogen, einige Regeln kommen hinzu. Aber es ist weniger eine neue Edition als D&D Essentials eine sein könnte. Die Gründe für die neue Buchform sind laut der Website, dass der Wunsch nach den guten alten Regelbüchern ohne Tand besteht, und die Firma dem Verlangen nachkommen will. Einige Produkte werden sowohl als Buch und zusätzlich mit einer optionalen Box geliefert, in dem sich dann die ganzen Accessoires befinden – etwa Creature Guide und Creature Vault.

Geht man bei WotC den Weg vom erfahrenen Rollenspieler hin zu neuen Käuferschichten, die dem Einsteiger-Level zuzuordnen sind geht man bei FFG den umgekehrten Weg. Die Käuferschichten sollen von den Einsteigern hin zu den Langzeit-Spielern erweitert werden.

Eine kuriose Entwicklung, gegenläufig aber dennoch parallel. Welcher Weg geschickter ist, kann man schlecht sagen. Zwar scheinen bei D&D4 die Verkaufszahlen schlechter als geplant und bei WHFRPG3 besser. Wer weiß aber wie stark erst die Ablehnung ggb. D&D4 gewesen wäre, wäre man zuerst mit bunten Boxen und noch stärker vereinfachten Regeln auf den Markt gekommen.

Ich besitze D&D4 und Warhammer Fantasy 3 weitestgehend vollständig und ich werde mir eher die Warhammer Bücher als die D&D Essentials Boxen kaufen. Einfach weil ich mit D&D4 so wie es ist zufrieden bin, ich aber gerne die Warhammer Regeln in Buchform hätte, ohne mich durch hunderte von Karten wühlen zu müssen, um bspw. ein Gefühl für die Mächtigkeit eines Zaubers zu bekommen.

Das Ende von D&D 4…

28. Juli 2010 Reto Kiefer 4 Kommentare

…bricht an könnte man meinen, wenn man die Blogosphäre so mitverfolgt. Seit es die Gerüchte (oder auch auf Deutsch) gibt, dass WotC die Hardcover Bücher einstellen will und sich von nun an voll auf die Essential Reihe konzentrieren will, schlagen die Wellen hoch. Die Befürchtungen reichen bis hin zu der Angst vor einer verkappten Einführung einer Edition 4.5.

Ich persönlich finde die Entwicklung, wenn sie denn stimmt, schade, denn ich mag die Bücher. Boxen sind auch nett, wie ich von früher weiß und jetzt an Warhammer Fantasy 3rd Edition sehe, aber die D&D4 Bücher haben schon eine besondere Klasse.

Aber, um nochmals die Überschrift aufzugreifen: Habt Ihr euch schon mal überlegt, was passiert wenn WotC mit der Essential Reihe nicht erfolgreich ist? Die bisherige 4. Edition ist wohl nicht so erfolgreich wie geplant, sonst bräuchte man auch keine Essential Reihe. Ob das D&D Encounter Format so erfolgreich ist, ist fraglich, sonst müsste man keine ganz neue Serie an den Start bringen, um neue Spieler zugewinnen.

So bleibt die Frage, was passiert, wenn D&D Essentials floppt?
Hasbro ist ein Riesenkonzern ohne Sentimentalität für Marken und Geschichte – da zählt nur Shareholder Value. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber bei Star Wars wurde die Lizenz nicht verlängert bei Dungeons & Dragons könnte man sie auch veräußern…

Die Woche, um ein Rollenspiel-Buch öffentlich zu lesen

25. Juli 2010 Reto Kiefer 2 Kommentare

Es gibt auf Facebook eine ganz interessante Gruppe, die eigentlich unsere Unterstützung verdient – meine hat sie jedenfalls schon.

Die Gruppe Read an RPG Book in Public Week will sich darum kümmern, dass sich zum einen mehr Spieler finden und austauschen und das Rollenspiel aus den Hinterzimmern hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen.

The point is to make the roleplaying hobby more visible, to get it “out of the basement” and into public areas where more people can see it. This will make others more aware of the hobby – some may ask you what your book is about, giving you the opportunity to explain the hobby to them. A few of those may be interested enough to try it themselves. Former gamers may see what you’re reading and think about the great times they used to have with roleplaying, and possibly even try it again.

Momentan sind diese Woche (25. bis 31.7.) geplant und dann nochmals im Herbst in der Woche vom 26.9. bis zum 2.10.

Ich finde die Aktion großartig und man konnte mich heute schon in Wiesbaden mit einem Exemplar der “Burning Empires” in Parks und Cafés sitzen sehen…

Warhammer 40k RPG: Die kommenden Publikationen

Fantasy Flight Games haben auf Ihrer Webseite bekannt gegeben, mit welchen Publikationen, die Spielsysteme Dark Heresy und Rogue Trader bis Ende 2011 fortgesetzt werden. Der Publisher hat zwei PDFs veröffentlicht, indem die geplanten Neuerscheinungen aufgeführt und beschrieben werden. Und die Zukunft der beiden Systeme sieht absolut fantastisch aus, es gibt nicht einen Band wo ich nur ein “na ja” dazu heraus bringe.

Dark Heresy bekommt einen Band, in dem die Ekklesiarchie des Imperiums beschrieben wird. Neben einer neuen Abenteuer-Trilogie finden sich auch Quellenbände zum Ordo Malleus, zu Recht und Ordung (Hintergrundmaterial für Arbitratoren und Scum) und zur imperialen Garde.

Rogue Trader erhält einen ausführlichen Quellenband zur Koronus Expanse, eine eigene Abenteuer-Trilogie, ein Hintergrundbuch zuRaumschiffen und der imperialen Navy, sowie ein Quellenband, in dem es um Rogue Trader geht, die eindeutig nicht mehr im grauen Bereich operieren und ein Xenos Kompendium, was all das beinhalten wird, was wir uns schon immer gewünscht haben :)

Zu Death Watch ist noch kein solches Dokument verfügbar. Vielleicht erscheint es noch vor der GenCon vielleicht wartet FFG auch erstmal den initialen Erfolg des Spiels ab.

Vorstellung: Das etwas andere “Monster” Manual

25. Juni 2010 Reto Kiefer 2 Kommentare

Schaut man sich herkömmliche Monster-Handbücher, Codices und Bestiarien an, wird versucht möglichst viele Gegner auf den vorhanden Platz zu bringen. Beim Monster Manual 3 von D&D 4 sollen es auf 224 Seiten rund 300 Gegner sein, bei Pathfinder ist es ähnlich da enthalten die Bestiaries auf etwas mehr als 300 Seiten 350 Kreaturen und Gegner.

Ganz anders dagegen das Gegner-Buch für das auf Savage Worlds aufbauende Rollenspiel “The Savage Tales of Solomon Kane”. Das Werk “Savage Foes of Solomon Kane” bietet auf 160 durchgehend farbigen Seiten gerade einmal 21 (!) Gegner. Und trotzdem ist das Buch ausgezeichnet! Ganz im Geiste der Kurzgeschichten des Solomon Kane Schöpfers Robert E. Howard, wird jeder Gegner im Rahmen einer kleinen Geschickte (Tale) vorgestellt. Diese Teils sind letztlich fertige Abenteuer, die aber auch nur zur Inspiration oder als Abenteuer Hook zu verwenden sind.

Mehr Klasse statt Masse, könnte das Motto des Buches sein. Aber das Konzept geht auf, wie ich finde. Abenteuer, die genau auf einen Gegner zugeschnitten sind, haben ein besonderes Flair und einen ureigenen Charakter. Der Fluff, der bei vielen anderen Gegner-Sammlungen dürftig ist, steht hier im Mittelpunkt. Und die Gegner Solomon Kanes sind sehr interessante Wesen. Von bekannten Imps hin geht es über diverse neue und unbekannte Kreaturen und den mörderischen Geschwistern Borgia bis hin zu einem Buch als Gegner.

Wer Solomon Kane nicht kennt, dem sei folgender Artikel in der Wikipedia empfohlen und der aktuelle Film, der Ende Juni als UK-Import erhältlich ist, wenn er denn nicht doch noch in unsere Kinos kommen sollte.

Wertung (7 / 10): Das Buch ist für jeden Spielleiter, der Soloman Kane leitet eine Pflichtanschaffung. Für andere, die das Setting oder die Romane und Geschichten lieben, bietet das Buch auch einiges, da die Gegner nahe an den literarischen Vorlagen entwickelt werden. Das Hardcover-Buch ist klassisch gelayoutet und macht einen handwerklich durchschnittlichen Eindruck. Die Illustrationen sind nicht so üppig gehalten wie in manch anderen Büchern. Aber das Konzept um jedes Wesen herum eine Geschichte / ein Abenteuer zu stricken halte ich für absolut überzeugend. Und es ist wieder eine weitere gelungene Publikation aus dem Umfeld des Savage World Universums.